Die Geschichte

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Waldorfpädagogik – die Geschichte der Entstehung

Die Waldorfpädagogik entstand anfangs des 20. Jahrhunderts im Süden Deutschlands, in Stuttgart, der Hauptstadt Baden-Württembergs. Dies durch die Unzufriedenheit des Personals der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria über die Staatliche Schule und nach einigen Beschwerden über die Bildungssituation in Deutschland. Sie waren unzufrieden mit den Strukturen, der mangelnden Kreativität und der mangelnden Initiative der Lehrerschaft. Die Kinder wurden nach ihrer Ansicht im Persönlichen und im Erkenntnissinn nicht entwickelt. Diese Beschwerden gelangen regelmässig  zu Emil Molt, dem Besitzer der Fabrik. Als progressiv eingestellter Mensch suchte er Auswege aus den sozialen Sackgassen dieser Zeit.

Bild E. Molt  

Fabrik Waldorf –Astoria-Zigarettenfabrik

Als Antwort auf die soziale Nachfrage, die wahrscheinlich nicht nur im Rahmen seiner Fabrik existierte, sondern auch latent in der deutschen Gesellschaft herrschte, tauchte bei ihm die Idee von der Schaffung einer auf einer neuen Pädagogik basierenden Schule auf, welche humaner sein und den Altersinteressen und den Bedürfnissen der Kinder besser entsprechen sollte. Der den anthroposophischen Kreisen nahestehende Emil Molt wandte sich mit seiner Idee an Dr. Rudolf Steiner und fragte nach der Möglichkeit der Schaffung einer solchen neuen Pädagogik.

Rudolf Steiner (1861-1925)

Dass Emil Molt sich an Rudolf Steiner wandte, geschah nicht zufällig. Steiner hatte zu  dem Zeitpunkt schon einige progressive Ideen aus dem pädagogischen Bereich geäussert und öffentlich ausgesprochen und brachte schon eine gewisse Erfahrung im Bereich des Privatunterrichts mit.

Hier müssen die pädagogischen Tätigkeiten des Jungen Steiners in der Familie des Wiener Kaufmanns Ladislav Specht erwähnt werden, dessen vier Kinder unter Steiners Verantwortung waren. Als einer seiner bedeutendsten Erfolge schätzte Steiner seine Arbeit – basierend auf einem speziellen, selbst ausgearbeiteten Programm – mit dem jüngsten Sohn der Familie Specht ein. Dieser litt an einer leichten Hydrozephalie, weiter an Kopfschmerzen und Verhaltensstörungen. Ein bekannter wienerischer Arzt der Neuropathologie, Doktor Josef Breuer, Lehrer und Kollege von Sigmund Freud, zweifelte an der Möglichkeit einer normalen Entwicklung dieses Kindes. Steiner konnte den Jungen aber durch rein pädagogische Methoden heilen und er entwickelte sich so, dass er innerhalb von zwei Jahren seine Klassenkameraden einholte und später in eine Universität eintrat, studierte und Arzt wurde (siehe “Mein Lebensgang” von Rudolf Steiner).

Rudolf Steiner kam dem Anliegen von Molt mit grosser Bereitschaft entgegen und hielt den ersten Lektionszyklus, der der Waldorfpädagogik gewidmet war, im September 1919 in Stuttgart. Zu dieser Zeit erhielt man vom Bildungs- und Kultusministerium von Württemberg auch schon die Bewilligung zur Gründung einer Schule (13.05.1919). Noch im gleichen Jahr (07.10.1919) konnte mit dem Bau der ersten Waldorfschule auf der Uhlandshöhe in Stuttgart begonnen werden. Emil Molt finanzierte diesen Bau. Nach dem Abschluss der Bauphase öffneten sich sofort acht Klassen mit 256 Schülern, von denen 191 Schuelerinnen und Schueler Kinder der Mitarbeiter der Waldorf-Astoria Fabrik waren.

Die erste Waldorfschule in Stuttgart, Jahr 1927

Die enge Verbindung zwischen der Waldorf-Astoria Fabrik und der Schule dauerte nur ein Jahr. Danach wurde die Fabrik in Stuttgart geschlossen, die Schule setzte ihre Entwicklung aber fort. Die Kinder kamen schon zu dieser Zeit aus verschiedenen Gesellschaftsschichten in diese Schule.

Es  sollte weiter erwähnt werden, dass auf der ganzen Welt aus den Waldorfschul – Absolventen viele Menschen hervorgegangen sind, welche im Erwachsenenalter bekannte Persönlichkeiten wurden. Unter ihnen befindet sich der Autor Michael Ende («Momo», «Die unendliche Geschichte», welche später erfolgreich verfilmt wurde), Karl Otto Pöhl (Präsident der Deutschen Bundesbank 1980 – 1991), Jens Stoltenberg (ehem. Staatssekretär und und Minister der Regierung von Norwegen, später Vorsitzender der Arbeiterpartei), Kenneth Chenault (Chef American Express,  im 2002 anerkannt als der zweiteinflussreichste Businessmanager der USA), Doktor Olaf Feldmann (Bundestagsabgeordneter in Deutschland), Kristen Nygaard (Wissenschaftler, Professor für Information, einer der Gründervater des MS-DOS Systems, Norwegen), viele aus der Familie Porsche (unter ihnen Wolfgang Porsche, einer der heutigen Leiter der Konzerne) und viele andere. Viele bekannte Menschen bringen ihre Kinder in die Waldorfschule

Während des fast 100 Jahre langen Bestehens hat die Waldorfschule eine starke Entwicklung erlebt. Nur einmal, während der kurzen Nazizeit, wurden die Waldorfschulen in Deutschland geschlossen. Heute bildet die Waldorfpädagogik die grösste alternative pädagogische Bewegung der Welt. Im August 2010 betrug die Anzahl der Waldorfschulen weltweit 1015. Man bemerke, dass  ein Mangel an gut vorbereiteten Waldorflehrern ein wesentliches Hindernis für eine noch weitere Verbreitung der Schulen ist.

Anthroposophie

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