Unterrichtsorganisation

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Der Verlauf des Unterrichts in Waldorfschulen  gestaltet sich anders als in öffentlichen Schulen. Der Tag beginnt mit dem Hauptunterricht – dem sogenannten Epochenunterricht – der circa 1 Stunde 40 Minuten dauert. Dabei wendet  die Waldorfpädagogik ein spezielles Verfahren an. Die Kinder tauchen in diesen drei- bis vierwöchigen Epochen in ein Thema und in ein Fach ein. In diesem Hauptunterricht werden epochenweise Fächer wie Geschichte, Muttersprache, Mathematik, Chemie und so weiter unterrichtet.

Dieses Vorgehen wird heute nicht mehr nur in Waldorfschulen praktiziert, sondern auch erfolgreich bei Schulen verschiedenster humanistischen, persönlich orientierten pädagogischen Richtungen angewendet (zum Beispiel im System der Russischen Akademiker der Akademie für Bildung – A.P.Schetinin). Es ist leicht nachvollziehbar, dass diese Methode in der Struktur der Erkenntnis des Menschen wurzelt. Jeder Mensch, der sich für ein Thema interessiert, taucht eine gewisse Zeit in Sinn und Kontext des zu erforschenden Inhaltes ein.

Kinder durchleben in der Regel jährlich zwei bis drei Epochen pro Grundfach. Die Nebenfächer, besonders die, welche rhythmische Übungen benötigen (zum Beispiel Sport,  Musik, Fremdsprachen, manchmal auch Mathematik und so weiter) werden nach dem üblichen Prinzip, das heisst während 2-3 Lektionen pro Woche, unterrichtet. Oft werden die Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Hälfte beschäftigt sich mit einer Sprache, während die andere in der Werkstatt arbeitet.

Nach dem Abschluss der Mittelstufe übergibt der Klassenlehrer seine Klasse an die Oberstufe, wo diese  von einem bis zwei Mentoren übernommen wird. Die epochale Form des Unterrichts sowie die Aufteilung der Schulzeit auf Haupt- und Fachunterricht bleiben sich bis zum Abschluss der Schule gleich.

Die Strukturierung des Tagesablaufes beinhaltet weitere spezifische Waldorfspezialitäten. Die Fächer teilen sich in drei Blöcke auf:

1.Intellektueller Block (exakte Wissenschaften, Naturwissenschaften, manche Geisteswissenschaften), der mehr auf die Entwicklung des Denkverfahrens, weiter auf die Aneignung des Wissens gerichtet ist.

2.Geisteswissenschaften und Kunst (Literatur, künstlerisches Gestalten, Singen, Musik und so weiter), die sich mehrheitlich auf die Entwicklung der moralisch, ethischen und ästhetischen Qualitäten des Schülers richten.

3.Praktische Fächer (Handarbeit, Werkstätte, Sport, und so weiter), die im grösseren Masse mit der individuellen Erziehung des Willens zu tun haben.

Es ist hier nicht überflüssig zu bemerken, dass diese obengenannte Verteilung relativ ist, denn es geht dabei um Schwerpunkte, die jedoch ineinander spielen. Auch die exakten Wissenschaften beinhalten Elemente der Ästhetik in sich, andererseits benötigen sie wesentliche – wenn auch nur Denkmühen – Mühen (Willensbereich). Werken andererseits braucht nicht nur die Anwendung der Kraft, sondern benötigt auch Gestaltungs- und Konstruktionslösungen.

Die obengenannten Fachblöcke verteilen sich im Tagesablauf in gleicher Reihenfolge. Morgens beginnt der Tag mit den intellektuellen, kopflastigen Fächern. Danach wächst der Anteil der künstlerischen Arbeit stetig und zum Ende des Schultages nehmen die praktisch orientierten Fächer überhand. So versucht man, die Balance zwischen dem Denken des Kopfes, des Fühlens des Herzens und der Kraft der Hände zu schaffen.

 

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