Besonderheiten des Unterrichtprogramms

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Das Programm in den Waldorfschulen unterscheidet sich nur wenig von den Unterrichtsprogrammen der Staatlichen Schulen. Das heisst, dass man in der Waldorfschule dieselben Fächer und Inhalte lernt, wobei sie in der Jahresstruktur jedoch anders verteilt werden.

Dennoch gibt es in der  Liste der Fächer und dementsprechend in den Inhalten der Epochen Unterschiede, welche den Eltern erklärt werden müssen.

So werden die Kinder der unteren Klassen in die Formenepoche eingeführt. Oft beginnt die Waldorfschule für die Kinder mit dieser Epoche. Die Lehrperson malt eine Form mit farbigen Kreiden auf die Tafel, zuerst einfache, dann allmählich schwierigere, welche die Kinder mit ihren Wachskreiden in ihre Epochenhefte übertragen.

Der Sinn dieser Epoche besteht nicht nur aus der Vorbereitung zum Schreiben und als Übung zur Feinmotorik, sondern die Kinder entwickeln dadurch auch innere Beweglichkeit und kreative, schöpferische Fantasien.

Ab der ersten Klasse beginnen die Kinder mit dem Eurythmie-Unterricht. Eine neue Kunstform, die die Harmonie der Gedichtssprache und des musikalischen Tons in die Sprache der Gestik und der harmonischen Bewegungen  des Körpers umwandelt.  Deshalb nennt man Eurythmie oft eine Kunst der sichtbaren Sprache (Spracheurythmie) oder sichtbaren Musik (Toneurythmie).

Spracheurythmie, zuerst für die deutsche Sprache entwickelt, wurde später auf das Englische und Russische übertragen und in der Waldorfschule Eriwan haben die Fachlehrkräfte sie ins Armenische umgesetzt. So wird Eurythmie in der armenischen Sprache unterrichtet.

Bau- und Landwirtschaftsepochen

Diese Epochen werden in der dritten Klasse unterrichtet. Dabei lernen die Kinder nicht  theoretisch, sondern im Freien und in der Natur – also unmittelbar in der Praxis. Die Bauepoche sieht vor, dass die Kinder für zwei Wochen bei einer Bauarbeit mithelfen. Oder sie setzen ein kleines, eigenes Bauprojekt, wie das Erbauen eines Holzhauses, um.

Die Epoche der Landwirtschaft sieht vor, dass die Kinder die Landwirtschaft während eines Jahreszirkels praktisch miterleben. Im Herbst säen sie auf dem Feld nach dem Pflügen das Getreide an, im Frühling pflegen die sie Sprösslinge und im Juni ernten sie, das Getreide wird später gemahlen und Brot wird gebacken.


Religionsunterricht

Der Religionsunterricht ist ein notwendiges Element der Waldorfpädagogik, welches die natürliche Religiosität der Kinder nährt. Das Ziel ist es nicht, das Kind zu einem gläubigen Menschen zu machen, sondern der Sinn besteht mehr in einer  moralischen Erziehung der Person in der Erfahrung von hohen Idealen und erhabenen Gefühlen. Die Kinder nehmen gemäss ihrer natürlichen Art die Seite des Guten wahr und auf, was als solches ein interessantes und wichtiges Phänomen ist. Wenn man diesem dominanten, guten Pol des Kindes in diesem Alter keine Stütze gewährt, so hat dieser Mensch im reiferen Alter bei der Begegnung mit dem Schlechten oder Bösen im Sozialen wenig, was er diesem entgegenstellen kann.

Ausserdem  wirkt eine Bildung in Religionsfragen im gewissen Sinne als Immunität gegen verschiedene sektiererische Versuchungen im späteren Alter.

Theater und Zirkus

In vielen Waldorfschulen werden Theater und Zirkus als Schulfächer unterrichtet. Theater- und Zirkusgruppen findet man somit an vielen Schulen. Es ist in einer traditionellen Volksschule kaum vorstellbar, Theater oder Zirkus in den Lehrplan aufzunehmen. Der Unterricht dieser Fächer verfolgt in der Waldorfschule ausschliesslich pädagogische Ziele. Im Theater werden bei den Kindern der Mut zum Ausdruck und die Fertigkeiten zur Überwindung der Schüchternheit vor den Menschen erzogen.

Es ist selbstverständlich, dass die Kinder, welche ihre Feuertaufe auf der Bühne erlebt haben, mutiger, artistischer, künstlerischer und ungezwungener in ihrer äusseren Erscheinung sind. Der Zirkus fügt dem die bessere Beherrschung des eigenen Körpers hinzu, entwickelt Geschicklichkeit, Gleichgewichtssinn und die Zusammenwirkung und -arbeit mit den Partnern (zum Beispiel in Akrobatik oder bei Jonglage).

Das Gesagte ist keine vollständige Auflistung der Fähigkeiten, die die Kinder dabei erlernen.

In den klassischen Waldorschulen ist die Erlernung diverser Handwerke von grosser Bedeutung und Notwendigkeit. Schreinereien, Töpfereien, Keramische- Kupferwerkstätten, Webereien und Steinmetzwerkstätten sind unabdingbare Bestandteile vieler Waldorfschulen, besonders im Westen. Diese Unterrichte sind nicht nur für die Schüler von Bedeutung, welche sich später für einen handwerklichen Beruf entscheiden, sondern für alle Schüler eine Notwendigkeit.

Es wird angenommen, dass die handwerkliche Arbeit mit den verschiedenen Materien wie zum Beispiel Eisen, Holz oder Stoff, die Willensimpulse in schöpferische und vernünftige Wege leitet. Der Wille des Kindes wird „kultiviert“ und unterstützt die Entwicklung eines feinen Geschmackes, der Geduld und der Arbeitsamkeit. Weiter lenkt es das Kind von sinnlosem herumstreunen und schlechten Gewohnheiten ab.

Der Vollständigkeits halber muss noch die Gärtnerei hinzugefügt werden, welche von Fachlehrkräften oft in den die Schule umgebenden Schulgärten unterrichtet wird. Die Kinder erlernen die grundsätzlichen Fertigkeiten zu Pflege und Unterhalt eines Gartens, bekommen eine Vorstellung vom richtigen Zurückschneiden von Bäumen und Sträuchern, erlernen weiter die Kompostierung und die Schädlingsbekämpfung. Diese und andere praktische Fähigkeiten helfen vielen jungen Menschen in ihrem Erwachsenenleben weiter.

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