Neue Geschichte

Comments: No Comments

Die ersten Gespräche und Behandlungen über die Ideen und Fundamente der Waldorfpädagogik fanden in der sowjetischen Zeit halbkonspirativ in kleinen Menschengruppen um armenische Intellektuelle, Idealisten und idealistische Philosophen wie Levon Sahakyan, Eduard Atayan und Karen Swassyan herum statt.

Levon Sahakyan, Philosoph, Komponist, Maler und Dichter  

Geboren am 01.06.1926

Geburtsort: Tiflis, Georgien

Gestorben in Eriwan, Armenien, 04.04.2003

Levon Sahakyan, im Umkreis seiner Freunde besser bekannt als Lev Veniaminovic, absolvierte im Jahre 1944 die Volksschule. 1946 trat er in die Philosophische Fakultät der staatlichen Universität von Tiflis ein. Nach dem Abschluss des Studiums im Jahre 1952 begann er in der ersten musikalischen Fachschule von Tiflis namens D. Arakischwilli ein weiteres Studium, welches er im Juli 1959 mit Erfolg abschloss und ihm die Qualifikation des Pädagogen für theoretische, musikalische Fächer an Kindermusikschulen einbrachte. 1951 trat er weiter in das W.Saradschischwili Konservatorium ein, um Komposition zu studieren. Er schloss das Studium im Jahre 1967 ab. Als junger Mann machte er sich zum ersten Mal mit den philosophischen Werken von Rudolf Steiner bekannt.

Während der Zeit in Tiflis arbeitete Levon Sahakyan in diversen Bildungsinstitutionen (Instituit für Philosophie, usw.), wo er Philosophie und Musiktheorie unterrichtete. 1969 übersiedelte er in die Hauptstadt der Armenischen Republik, Eriwan. Hier begann er seine Arbeit als Dozent für Philosophie und politische Ökonomie am staatlichen Institut für Linguistik, der Universität nach V. Brusov, wo er bis zu seinem Tode im 2003 arbeitete, und Philosophie und Logik unterrichtete. Im Alter von 55 Jahren zeigte sich sein Talent des Malers, vorwiegend in der Kunst der Miniaturmalerei. In den 90er Jahren wurden einige Ausstellungen organisiert, darunter 1991 in Yerevan, 1995 in Deutschland.

Eduard Atayan, Philosoph und Linguist

Geboren am 10.02.1932

Geburtsort: Eriwan Armenien

Gestorben in Eriwan, Armenien,  01.01.2002

Eduard Atayan absolvierte 1953 in Eriwan das Institut für Linguistik. 1956, als er als Doktorand der Universität von Eriwan tätig war, promovierte er nach dem Thema „Strukturelle Syntax in der Sprache“. 1984 promovierte er erneut zum Doktor der Philosophie mit dem Thema „Kategorial Methodische Analyse des Verhältnisses zwischen sprachlicher und aussersprachlicher Wirklichkeit“.

Ab 1957 unterrichtete er in diesem Bereich an der Philologischen und Philosophischen Fakultät und weiter an der Fakultätfür Weiterbildung der Fachleute der Universität Eriwan.

Er war Leiter verschiedener Abteilungen und Professor der Abteilung der Linguistischen Typologie. 1986 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der wissenschaftlichen Akademie gewählt und war weiter ab 1996 Mitglied der Nationalen Akademie der Armenischen Republik. Ab 1993 war er als Akademiker und Vizepräsident der Armenischen Akademie der Philosophie tätig.

Professor Karen Swassyan, Philosoph, Kulturhistoriker, Literaturwissenschaftler und Dolmetscher

Geboren am 02.01.1948 in Tiflis Georgien

In den Jahren 1954-1965 besuchte Karen Swassyan die Volkschule in Eriwan. 1965 – 1970 studierte er an der philologischen Fakultät der Uni Eriwan Philosophie, weiter englische- und französische Philologie. 1971 – 1993 war er als leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie und Recht der Wissenschaftlichen Akademie der Armenischen Republik tätig. 1978 wurde er Doktor der Philosophie, sein Thema „Ästhetisches Wesen der intuitiven Philosophie von A. Bergson“. 1981 promovierte er erneut (Thema „Problem des Symbols in der zeitgenössischen Philosophie”). 1985 wurde er Professor an der Uni Eriwan und 1993/1994 Preisträger der Humbolt Stiftung Bonn. Seit 1997 ist er Gastprofessor der Uni Innsbruck auf der Fakultät für Philosophie und Slavistik (Kurse für Erkenntnistheorie, Theorie des Symbols und literarische Übersetzung). Seit 1993 lebt Professor Karen Swassyan in Basel, Schweiz, als freischaffender Autor und Dozent. Er hält Vorträge in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich und Russland. Weiter schreibt er, zum grösstenTeil auf Russisch und Deutsch.

Sein letztes russischsprachiges Buch („Der Mensch im Labyrinth der Identitäten“, Moskau Evidentis Verlag 2009) von K. Swassyan gewann den ersten Preis im Essay-Wettbewerb, den das renommierte Institut für Philosophie der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAW) in Zusammenarbeit mit den Zeitschriften „Probleme der Philosophie“, „Politische Klasse“ und der “Russischen Zeitung“ ausgeschrieben hatte.

In Armenien sind die ersten Waldorf-Initiativen anfangs der 80er Jahre zu finden. In diese Richtung haben zu dieser Zeit verschiedene Leiter der Kindergruppen des „Zentrum der ästhetischen Erziehung der Kinder“ von Eriwan, weiter einzelne Pädagogen diverser staatlicher Schulen, gearbeitet.

Die ersten Kontakte mit deutschen Waldorfpädagogen fanden Ende der 80er Jahre in der Epoche der Perestroika und der Demokratischen Revolution in Armenien statt. Später bildete sich daraus eine gemeinsame Interessensgruppe, in welcher sich deutsche und armenische Pädagogen austauschten. In den frühen 90er Jahren wurde auf dieser Grundlage die erste Waldorfkindergruppe geöffnet. 1992 wurde in der staatlichen Schule „Mushegh Ischchan“ die erste Waldorfklasse eingeführt. Allerdings konnte die Verwurzelung der Waldorftraditionen im Umfeld der traditionellen Schulen nicht reibungslos verlaufen. Dieser erste Versuch war nicht dazu erkoren, mit Erfolg gekrönt zu sein.

Die erste und zurzeit einzige Waldorfschule in Armenien wurde im Jahre 1994 gegründet. Dies in der Staatsschule Nummer 30 nach dem Namen von Hargin Hovsepyan (Früher eine Russische Schule namens Tschkalow. Aktuell Aregnasan Bildungsstätte). Seit diesem Jahre wurde jährlich eine neue Waldorfklasse geöffnet, welche im Jahre 1999 den  Status von Staatsexperimenten im Bereich der alternativen Pädagogik erhielten. 2003 war die Schule gemäss des damaligen, sowjetischen Systems mit zehn Klassenzügen komplett.  Dementsprechend war das Jahr 2004 das Jahr des ersten Abschlusses.

Somit wurde die Waldorfschule am Ende der Krisenzeit der Umbruchsperiode gegründet. Im Jahr, in dem Armenien den Weg aus der energetischen Krise (Wiederaufnahme Atomkraftwerks) fand und der Krieg in Karabagh eingestellt wurde. Das Armenische Volk trat damit einen eigenen schöpferischen Weg ein und suchte neue Lösungen in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Diese Suche geschah auch im Bereich der Pädagogik.

September 2017
M D M D F S S
« Mai    
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
252627282930