Waldorfpädagogik in der ““Aregnasan”” Schule

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Die “Aregnasan” Schule ist die erste und vorläufig einzige Waldorfschule in Armenien. Sei t  1994 versucht die Schule, ihr pädagogisches Ideal in die Praxis umzusetzen.  Bis zu welchem Grad sie ihr Ziel erreicht.

Abgesehen von der allgemeinen methodischen Basis können sich Waldorfschulen nicht nur durch ihre objektiven Charakteristiken (wie zum Beispiel in der materiellen Ausstattung, welche in den westlichen Ländern besser ist) oder Erfahrungen (osteuropäische Waldorfschulen sind viel jünger als westliche) , sondern auch durch ihren Stil und die  individuellen Besonderheiten voneinander unterscheiden. Aus diesem Grund versucht die Schule zu zeigen, wie sie sich in Eriwan etabliert und entwickelt.

Harmonische Entwicklung

Die harmonische Entwicklung der Persönlichkeit des Kindes ist eines der Grundprinzipien jeder Waldorfschule, was bedeutet, dass die verschiedenartigsten Veranlagungen und menschlichen Qualitäten eines Kindes möglichst proportional und ihren altersbedingten psychologischen Eigenschaften entsprechend gefördert werden. So wird die Grundschule insbesondere als die Zeit der Ausgestaltung des Charakters und der tiefenpersönlichen, unter anderem auch moralischen, Eigenschaften betrachtet. In der Mittelschule wird das Augenmerk zunehmend auf die ästhetische und soziale Entwicklung, den Reichtum des inneren Lebens, die Kunst und die Kreativität gelegt. Die Entwicklung der intellektuellen Eigenschaften und die Aneignung des Wissens stehen an der Oberstufe im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dieser Ansatz, welcher für Menschen, die eine sowjetische Schule besucht haben, eher ungewöhnlich scheint, rechtfertigt sich völlig, da er einem Kind eine breitere Entwicklungsebene gibt als dies bei konventionellen Pädagogischen Ansätzen der Fall ist.

Unterricht soll begeistern

Viele wissen leider aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, jahrelang  langweiligen, faden und uneffektiven Unterricht zu besuchen. Dieses Problem ist nicht neu, sondern befand sich schon früher im Zentrum der Aufmerksamkeit vieler Menschen. So zum Beispiel auch in der Erinnerung  des bekannten Pädagogen Johann Amos  Comenius, als er über die Jahre seiner Schulzeit  sinnierte. Dazu schrieb er, dass der Unterricht so stark mit langweiligen Regeln , Kommentaren und Hinweisen zu diesen Kommentaren, aber auch mit “schwierigen Fragen” überladen war, „so dass wir armen Kreaturen uns so verwirrt fühlten, dass wir kaum verstehen konnten, worum es sich handelte.“ (J.A. Comenius, The Great Didactic (1657), New York: Russell &Russel, p. 122)

Um eine solche Art des Unterrichtes zu vermeiden, wird viel Zeit und Energie investiert, um diesen interessanter und aufschlussreicher zu gestalten. Im Bereich der Naturwissenschaftlichen Fächer wird der Beobachtung und dem Experimentieren, der Entstehung der Frage und der Bewusstmachung der Frage, weiter der Entwicklung des richtigen Urteilens und Entschliessens viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Geisteswissenschaftlichen Fächer werden möglichst prägnant und bildhaft gestaltet. Hier zeigen sich schöpferisches Talent sowie die Kunst des Unterrichtens der Lehrpersonen (insbesondere beim Klassenlehrer). In allen Bereichen strebt die Schule eine Vielfältigkeit des Stoffangebotes und einen ganzheitlichen Ansatz an. Als Ergebnis erhält das Kid die maximal mögliche Nahrung für die eigene Entwicklung als Person aber auch als erkennendes Individuum.

Kunst als wichtigstes Element des Unterrichtens

Die Waldorfschulen schenken der Kunst eine besondere Aufmerksamkeit und auch die “Aregnasan” Schule macht was das anbelangt  keine Ausnahme. Es ist eine Tatsache, dass sich Kinder sehr intensiv,  mit grosser Befriedigung und Ausdauer damit befassen können, ohne dabei zu ermüden. Wahrscheinlich hat das mit dem ausgeprägten schöpferischen Element zu tun, welches verschiedenen Kunstrichtungen eigen ist und in deren Grundkern der  Versuch liegt, etwas neues, eigenes, mit eigenen Gefühlen und Erlebnissen durchleuchtetes,  zu schaffen.

Je stärker der Unterricht mit Kunstelementen bereichert wird (sogar Unterricht, welcher auf den ersten Blick mit Kunst wenig zu tun hat und in traditionellen Schulen rein akademisch gelehrt wird), desto leichter und begeisterungsfähiger beschäftigen sich die Kinder mit dem Unterricht und vertiefen sich in den Inhalt. Eine geschickte Einsetzung  dieses Elementes gestaltet den gesamten Ausbildungsprozess attraktiver und farbiger. Aus diesem Grund ist Kunst in Waldorfschulen nicht nur in künstlerischen Fächern, sondern in allen Bereichen allgegenwärtig.

Freundliche Atmosphäre der Schule, die Beziehung Lehrer – Schüler

Eine wichtige Rolle für den pädagogischen Einfluss auf das Kind spielt die psychologische Atmosphäre in der Schule. Es ist wichtig, dass das Kind mit Freude in die Schule kommt, gute Beziehungen aufbauen und mit Vergnügen den Unterricht verfolgen kann. Wie auch viele andere Waldorfschulen zeichnet sich die “Aregnasan” Schule durch ihre besondere Atmosphäre aus. Sicher ist eine gute Atmosphäre nicht genug, um den gesamten pädagogischen und schulischen Prozess zu gewähren, doch ist sie ein unentbehrlicher Faktor, ohne den es kaum möglich ist, bedeutsame Erfolge zu erreichen.

Diese Atmosphäre wird zunächst durch die Qualität der Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern geschaffen, ist aber auch bestimmt  durch den Charakter der  Beziehungen unter den Kindern. Die Lehrpersonen treten den Kindern mit Liebe und Respekt gegenüber, was die Kinder sehr positiv empfinden und schätzen.  Viele der Lehrpersonen ziehen  die Arbeit an der “Aregnasan” Schule einer gesicherteren und komfortableren Existenz in irgendeinem westlichen, mehr entwickelten Land und einer prestigeträchtigen und profitableren Arbeit vor. Sie arbeiten aus Berufung  an dieser Schule.

Nationale Besonderheiten

Abgesehen von der Vielseitigkeit  der Waldorfpädagogik, welche sich auf die menschlichen Werte bezieht, verfügt die Waldorfschule über weitere Merkmale, unter anderem die der nationalen Besonderheit. Viel Aufmerksamkeit wird der Muttersprache und deren Literatur, der Geschichte und Kultur des eigenen Landes und Volkes, nationalen Traditionen, Festen und so weiter geschenkt. Außerdem legt sie viel Wert auf die Entwicklung der speziellen psychologischen Qualitäten der Schüler, welche vom Ursprung her  dem armenischen nationalen Charakter nicht gegeben sind und in der armenischen modernen Kulturtradition nicht verankert oder selbstverständlich ist. Die Schule versucht somit, bei den Schülern Qualitäten wie Verbindlichkeit, Pünktlichkeit, Zeitgefühl und soziale Fähigkeiten zu fördern.

Soziale Erziehung

Wichtigstes Element  der Erziehung  ist eine allmähliche Anwendung der sozialen Fertigkeiten, wovon schon die Rede gewesen ist. Die soziale Erziehung geschieht in der Schule im Unterricht wie auch außerhalb, während den Pausen, Exkursionen, Klassenreisen, bei allgemeinen Veranstaltungen und so weiter. Die Lehrpersonen zielen dabei darauf hin, den Kindern solche soziale Werte nicht nur mittels Erklärungen und Überzeugungen näherzubringen, sondern in erster Linie aufgrund des persönlichen Beispiels und durch die Regelung alltäglicher Situationen, welche von den Schülern Aufmerksamkeit gegenüber ihrer Umgebung und den umgebenden Menschen erfordern. Dabei soll dieses Kind nicht nur von seinen eigenen Interessen, sondern auch von den Interessen und Bedürfnissen  der umgebenden Menschen ausgehen.

Dieses Erlernen des guten und fairen sozialen Umgangs mit der Umgebung erleichtert die weitere Adaption der Kinder – welche nach dem Schulabschluss schon junge Menschen sind – gegenüber  den hiesigen aber auch internationalen Verhältnissen  und unterstützen ihre Sozialisation an Hochschulen und in den gesellschaftlichen Strukturen.

Februar 2018
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